8. Interdisziplinäre Tagung über Sprachentwicklungsstörungen

21. - 23. November 2014 in München

Vom 21. - 23.11.2014 fand in München die 8. Interdisziplinäre Tagung über Sprachentwicklungsstörungen (ISES VIII) statt. Organisiert wurde die Tagung von der GISKID - Gesellschaft für interdisziplinäre Spracherwerbsforschung und kindliche Sprachstörungen im deutschsprachigen Raum in Kooperation mit Prof. Grohnfeldt (LMU München) und Prof. Mall (Kinderzentrum München).

In der Versorgung von Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen ist in den letzten Jahren Vieles in Bewegung, dies betrifft die Forschung und Versorgung gleichermaßen. Bereits seit ihrer Gründung im Jahr 2000 wird im Rahmen der ISES versucht, die Disziplinen im Bereich Sprachentwicklung und Sprachentwicklungs-störungen wie Medizin, Psychologie, Linguistik, Patholinguistik, akademische Sprachtherapie und Sprachheilpädagogik in den interdisziplinären Dialog zu bringen. Zur diesjährigen ISES VIII trafen sich an der LMU München 200 Teilnehmer um sich zu mono- und bilingualer Sprachentwicklungsforschung, Therapieforschung, medizinisch-therapeutischer Praxis sowie sprachheil-/ pädagogischer Versorgung in Kindergarten und Schule interdisziplinär auszutauschen.

In 36 Einzelvorträgen und 10 Postern wurden Forschungs- und Praxisbeiträge aus den Bereichen Sprachentwicklung, Sprachentwicklungsstörungen, Sprachentwicklungsdiagnostik, Mehrsprachigkeit, Hörschädigungen und Sprachtherapie vorgestellt. Zusätzlich wurde von 6 Arbeitsgruppen die Arbeit zu den Themengebieten Genetik der Sprachentwicklungsstörung, Professionsentwicklung in der Kindersprachtherapie, Spracherwerb bei schwerhörigen Kindern, Sprachförderung mehrsprachiger Kinder in Kindertagesstätten, Sprachentwicklung türkisch-deutsch aufwachsender Kinder mit und ohne SSES sowie zu Kindern mit spezifischen Sprachentwicklungsstörungen in der Schule vertiefend vorgestellt.

Die Interdisziplinarität zeigte sich auch bei den drei eingeladenen internationalen Keynotes. Prof. Dr. Bencie Woll von University College London stellte unter dem Titel „Developmental Language Impairments in Acquiring a Sign Language“ Forschungsarbeiten zu Sprachentwicklungsstörungen und Sprachverarbeitung bei gehörlosen Menschen vor. Sie stellte heraus, dass auch bei Gehörlosen Sprachentwicklungsstörungen mit unterschiedlicher Ausprägung auf allen linguistischen Sprachebenen vorkommen können. Die Analyse der Gebärdensprachkompetenzen kann bei bestimmten Syndromen, bei denen lautsprachliche Probleme vorliegen, für ein besseres Störungsverständnis sowie als Ansatzpunkt für Diagnostik und Therapie dienen. In der zweiten Keynote mit dem Titel „Rhythmus und Intonation: Zur Rolle der Prosodie im Spracherwerb“ berichtete Prof. Dr. Barbara Höhle (Universität Potsdam) von ihrer psycholinguistischen Forschung zur Rolle der Prosodie im Spracherwerb und der Sprachverarbeitung bei Säuglingen und Erwachsenen. In der dritten Keynote mit dem Titel „Sprachprofile von Kindern mit Spracherwerbsstörungen: Schnittstellen gefunden!“ berichtete Dr. Meja Kölliker-Funk aus der Schweiz (Schulpsychologie und logopädische Controllingstelle Kanton Schaffhausen) von ihren diagnostischen und therapeutischen Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern mit Sprachentwicklungs-störungen. Dabei wies sie auf Verbindungen (Schnittstellen) zwischen der Entwicklung auf den linguistischen Sprachebenen hin, die sich in Entwicklung und Therapie gegenseitig bedingen.

Ebenfalls ging es auf der ISES darum, dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine Plattform zu geben. So fand eine eigene Nachwuchssession statt, auf der Bachelor und Masterarbeiten einem breiten Fachpublikum vorgestellt werden konnten. Direkt im Vorfeld der ISES VIII fand die 3. Interdisziplinäre Summerschool „Sprachentwicklung und ihre Störungen“ statt. Sie wurde gemeinsam von der GISKID und der Dozentenkonferenz Sprachbehindertenpädagogik veranstaltet. Sie stand unter dem Motto: „Herausforderung Evidenzbasierung“ und thematisierte die Notwendigkeit und die Herausforderungen des wissenschaftlichen Nachweises der Wirksamkeit sprachtherapeutischer bzw. sprachförderlicher Maßnahmen. In der Therapieforschung wie auch in pädagogischen Kontexten bekommen diese Fragen eine immer größere Bedeutung. In Workshops von Dr. Silke Fricke (University of Sheffield), Prof. Dr. Julia Siegmüller (EUFH Rostock) und Dr. Sebastian Voigt-Radloff (Universitätsklinikum Freiburg, Deutsches Cochrane Zentrum) wurde die Thematik von den 15 interdisziplinären Teilnehmern intensiv bearbeitet. In der Kombination von interdisziplinären internationalen Keynotes, Vorträgen, Postern, Arbeitsgruppendarstellungen, Nachwuchssession und Summerschool war die ISES auch 2014 eine Tagung, die vielfältige Anstöße für den interdisziplinären Austausch bieten konnte.

Programm ISES VIII